Mehr als zwei Drittel aller Ergebnisse werden nicht ordnungsgemäß veröffentlicht

Wien, 25.02.2020 (OTS): Aktuell sind die Ergebnisse von 273 Studien, an denen Patientinnen und Patienten in Österreich beteiligt waren, nicht wie vorgeschrieben im europäischen Studienregister (EU Clinical Trial Register) veröffentlicht. Das zeigt ein Bericht, der heute gemeinsam von Transparency International-Austrian Chapter (TI-AC), Cochrane Österreich und TranspariMED veröffentlicht wurde. „Die mangelnde Meldemoral führt dazu, dass der Öffentlichkeit wichtige Forschungsergebnisse vorenthalten werden“, betont Andrea Fried von TI-AC. „Das verstößt nicht nur gegen die Regeln der wissenschaftlichen Integrität, sondern ist auch unverantwortlich gegenüber den Patientinnen und Patienten, die an den Studien teilgenommen haben. Zudem werden öffentliche Gelder verschwendet.“

Gerald Gartlehner, Leiter von Cochrane Österreich an der Donau Universität Krems, ergänzt: „Es drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass Ergebnisse dieser Studien deswegen nicht publiziert werden, weil sie nicht die Resultate zeigten, die sich die Auftraggeberinnen und Auftraggeber der Studien erhofft hatten. Das Fehlen dieser Ergebnisse kann im Endeffekt dazu führen, dass Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag mit wirkungslosen Therapien behandelt werden, weil Ärztinnen und Ärzten diese Information fehlt.“

Medizinische Universitäten bei Veröffentlichung säumig

Die mangelnde Meldemoral ist vor allem im europäischen Vergleich alarmierend. Während durchschnittlich rund 64 Prozent der Studienergebnisse in der europäischen Datenbank EudraCT veröffentlicht werden, sind es in Österreich gerade einmal 18,3 Prozent. Dabei steht es vor allem bei den großen medizinischen Universitäten schlecht um die Veröffentlichungszahlen. So liegt die Berichtsquote bei den Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck bei je 20 Prozent, bei der Medizinischen Universität Wien nur bei etwa 13 Prozent. 

Der Autor der Studie und Gründer von TranspariMED, Till Bruckner, sieht bereits Bemühungen, die Transparenzmängel zu beheben: „Die Universitäten sind sich des Problems bewusst und holen ihre Meldeverpflichtungen nach“. Besonders die MedUni Wien habe in den vergangenen Monaten zahlreiche fehlende Studienergebnisse im EU-Register veröffentlicht – momentan schuldet sie aber der Öffentlichkeit noch die Daten von 176 Studien. „Die internationalen Erfahrungen zeigen jedoch, dass es ohne Sanktionen nicht geht“, sagt Bruckner und fordert auch in Österreich ein strikteres Monitoring und Konsequenzen für die Nichtmeldung ein.

Gemeinsam für mehr Transparenz

In den Transparenzvorschriften der Europäischen Union ist vorgesehen, dass Sponsoren klinischer Studien mit Medikamenten, wie Universitäten, Krankenhäuser und pharmazeutische Unternehmen, sämtliche Versuchsergebnisse innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Studie in die europaweite EudraCT-Datenbank hochladen müssen. TranspariMED, eine Initiative für mehr Transparenz in der Medizin, untersucht international, ob diese Regelung eingehalten wird. Berichte über die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland, und andere Länder sind online unter https://www.transparimed.org/resources abrufbar.

Cochrane Österreich ist die lokale Vertretung des internationalen unabhängigen Gesundheitsnetzwerks Cochrane und setzt sich dafür ein, dass Gesundheitsentscheidungen auf aktuellen Erkenntnissen aus gut gemachten Studien aufbauen (siehe www.cochrane.at).

Die Anti-Korruptions-NGO Transparency International-Austrian Chapter setzt sich seit vielen Jahren für mehr Transparenz in der Medizin und Wissenschaft ein und unterstützt die Initiative zur Offenlegung klinischer Studien. Ein Leitfaden für Entscheidungsträger ist unter https://www.ti-austria.at/2018/05/16/transparenz-bei-klinischen-studien-ein-leitfaden-fuer-entscheidungstraeger/ verfügbar.

Link zum Bericht: https://www.ti-austria.at/wp-content/uploads/2020/02/Clinical-Trial-Transparency-in-Austria.pdf

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