
Bestechungszahlerindex 2011: Unternehmen aus den aufstrebenden Märkten China und Russland bestechen am häufigsten
London/Berlin, 02.11.2011 – Bei Geschäften von Unternehmen im Ausland kommt es regelmäßig zu Bestechung von Amtsträgern. Das zeigt der heute veröffentlichte Bestechungszahlerindex (Bribe Payers Index, BPI) von Transparency International.
Der BPI listet 28 führende Exportnationen nach der Neigung ihrer Unternehmen auf, Bestechungszahlungen im Ausland zu leisten. Hierzu wurden über 3.000 Führungskräfte von Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern befragt. Firmen aus Russland und China, die 2010 120 Milliarden US-Dollar im Ausland investierten, liegen am unteren Ende der Rangliste. Die Niederlanden, Schweiz und Belgien finden sich an der Spitze des BPI – ihre Unternehmen neigen am wenigsten dazu, im Ausland zu bestechen.
Auslandsbestechung ist ein zentrales Thema der G20. Vor einem Jahr haben sich die Mitgliedsländer mit der Verabschiedung des Aktionsplans gegen Korruption (Anti-Corruption Action Plan) unter anderem zur Bekämpfung von Auslandsbestechung verpflichtet. Der Fortschrittsbericht soll während des morgigen Gipfels in Cannes verabschiedet werden. Es ist zu erwarten, dass die Fortschritte Chinas, Russlands, Indonesiens und Indiens zur Bekämpfung von Auslandsbestechung gewürdigt werden. Transparency International begrüßt die Veröffentlichung des Berichts.
„Die G20-Länder müssen das Thema Auslandsbestechung auf dem Gipfeltreffen diese Woche dringend angehen. Durch neue rechtliche Rahmenbedingungen, die in einigen G20-Staaten geschaffen wurden, können faire und offene Bedingungen für Unternehmen geschaffen werden. Sie bilden die Voraussetzung einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft und eines stabilen Wachstums. Ermittlung und Strafverfolgung von Auslandsbestechung müssen gestärkt werden, um wirksam vor unethischem und illegalem Handeln abzuschrecken,” sagte die Vorsitzende von Transparency International, Huguette Labelle.
Schäden durch Bestechung
Laut Umfrage zum BPI bestechen Unternehmen Amtsträger im Ausland, um bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugt zu werden, Gesetze zu umgehen, Prozesse zu beschleunigen oder die Politik direkt zu beeinflussen.
Erstmalig wurde auch die Bestechung von privat zu privat, das heißt von Unternehmen untereinander, untersucht. Korruption ist hier ebenso verbreitet und somit nicht nur ein Problem in Politik und Verwaltung, sondern auch im Wirtschaftssektor selbst. Die Risiken, die Unternehmen durch Bestechung eingehen sind hoch (Rufschädigung und finanzielle Einbußen).
„Bestechung scheint weiterhin Gang und Gebe von zu vielen Unternehmen im Ausland zu sein. Dabei ziehen sich Bestechungspraktiken durch alle Geschäftsbeziehungen, nicht nur mit Blick auf Amtsträger. Unternehmen, denen es nicht gelingt, Bestechung in ihren Lieferketten zu verhindern, laufen Gefahr, für die Vergehen ihrer Angestellten und Geschäftspartner strafrechtlich belangt zu werden,“ so Labelle weiter.
Der BPI 2011 untersucht auch die relative Wahrscheinlichkeit aktiver Bestechung in 19 verschiedenen Wirtschaftssektoren:
- Unternehmen aus dem Bausektor schnitten in der Umfrage am schlechtesten ab. Nicht eingehaltene Verordnungen und mangelhaft ausgeführte Aufträge können gravierende Folgen für die öffentliche Sicherheit nach sich ziehen.
Auch der Öl- und Gassektor ist besonders hohen Korruptionsrisiken ausgesetzt. In Nigeria, eines der rohstoffreichsten Länder, mussten Unternehmen in den Jahren 2010 und 2011 wegen der Bestechung von Amtsträgern Strafzahlungen von insgesamt 3,2 Milliarden US-Dollar leisten.
Nähere Informationen sowie Details zum Ranking finden Sie unter: http://bpi.transparency.org/