
DDr. Hubert Sickinger
Vizepräsident des Beirats von Transparency International – Austrian Chapter
Die Finanzierung der politischen Parteien und Spenden an politische Amtsinhaber stellen einen korruptionssensiblen Schlüsselbereich dar: Parlamente beschließen über die Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen agieren; Regierungsmitglieder üben entscheidenden Einfluss auf Investitionsentscheidungen der öffentlichen Hand, auf Privatisierungen und Genehmigungen aus. Ein hoher Finanzbedarf der Parteien und Politiker und das Fehlen wirksamer Kontrollen können somit starke Anreize darstellen, diese Gelegenheiten zum Einfordern von illegalen Provisionen oder zur Entgegennahme von Einflussspenden zu missbrauchen. Das Global Corruption Barometer, eine in zahlreichen Staaten durchgeführte Umfrage von Transparency International, zeigt, dass der Bevölkerung auch in Österreich die politischen Parteien als besonders korruptionsanfällig gelten.
Unter dem Gesichtspunkt der Korruptionsprävention sind die österreichischen Gesetze zur Politikparteienfinanzierung unzureichend: Österreich hat zwar – umgerechnet in Euro pro Wahlberechtigte – vermutlich die weltweit höchste staatliche Parteienfinanzierung. Diese kann durchaus ein Mittel sein, um die Abhängigkeit der Parteien von Großspenden, mit denen illegitime Einflussversuche verbunden sind, zu reduzieren. In der Praxis fehlen allerdings Regelungen für eine Begrenzung oder Transparenz von Großspenden (deren Bedeutung durch die staatliche Parteienfinanzierung reduziert und kontrolliert werden sollte): Zwar stehen einige Vorschriften für Rechenschaftsberichte der Parteien im Parteiengesetz, die verlangten Auskünfte der Parteien sind allerdings wenig aussagekräftig, und unvollständige Rechenschaftsberichte bleiben zudem sanktionslos.
Außerhalb Österreichs ist der Konsens darüber, welche Regelungen der Parteienfinanzierung bei der Bekämpfung politischer Korruption angemessen sind, bereits deutlich weiter. Das Ministerkomitee des Europarats hat 2003 [Recommendation Rec(2003)4 of the Committee of Ministers to member states on common rules against corruption in the funding of political parties and electoral campaigns] folgende Regelungen vorgeschlagen:
Zwar sind diese Empfehlungen nur "soft law", ihre Umsetzung wird allerdings in der 2007 startenden dritten Evaluierungsrunde von GRECO überprüft werden [Link zum Fragebogen: http://www.coe.int/t/dg1/greco/evaluations/round3/questionnaire(round3)_
en.asp]