Mag. Andrea Fried
Leiterin der Arbeitsgruppe „Gesundheitswesen“ von Transparency International – Austrian Chapter
Das Gesundheitswesen ist ein besonders anfälliges Gebiet für Betrug und Korruption. Das liegt einerseits an den enormen Geldmitteln, die weltweit darin umgesetzt werden. Andererseits sind auch die Komplexität, der hohe Grad an Intransparenz und die Vielzahl der Akteure, die in diesen Bereich involviert sind, dafür verantwortlich. Auch die Trennung zwischen Konsumenten und Zahlern macht das System anfälliger für Absprachen auf Kosten Dritter.
Das Ergebnis: Viele Milliarden Euro versickern in dunklen Kanälen und kommen nicht den Patienten zugute. Das Geld fehlt in der Gesundheitsversorgung - einem Bereich, in dem die erforderlichen Finanzmittel immer knapper werden. Eine im Jahr 2000 von Transparency International Deutschland erstellte Studie kommt zu dem Schluss: „Fehlende Transparenz ist die Hauptursache für Verschwendung, Missbrauch und Betrug im Gesundheitswesen. Eklatante Transparenzmängel sind zugleich ein Einfallstor für Korruption. (…) Die Politik versagt bisher vor dem Problem, dass sich einzelne Gruppen missbräuchlich und systematisch Vorteile zu Lasten des gesamten Gesundheitssystems verschaffen." Auch der Global Corruption Report widmete sich im Jahr 2006 diesem Themenkreis und berichtete über seine unterschiedlichen Ausprägungen in verschiedenen Systemen.
Österreich gilt zwar – so wie in vielen Bereichen – auch im Gesundheitswesen als Insel der Seligen. Aber auch hier werden die Mittel sichtbar knapper und diejenigen, die das Geld verteilen, sind zunehmend bemüht, „Selbstbedienungsläden“ zu schließen. Das Thema Korruption ist im Gesundheitswesen nach wie vor tabu. Schnell werden Vorwürfe abgetan, indem Kritikern die Verunglimpfung einzelner Berufsgruppen vorgeworfen wird.
Hinter vorgehaltener Hand weiß aber fast jede Bürgerin und jeder Bürger von Beispielen zu berichten, die zumindest ethisch fragwürdig sind. Dazu gehören unter anderem die weitverbreitete Praxis der „Kuvertmedizin“, mit der man auch hierzulande eine bessere oder schnellere Behandlung gegen (unversteuertes) Bargeld erkaufen kann. Auch die Diskussion um Naturalrabatte bei Medikamenten zeigte, dass das Thema die Menschen bewegt.
TI - Austrian Chapter - will Licht in das Dunkel der Intransparenz bringen. Ihr Ziel ist es, die Einfallstore für korruptives bzw. missbräuchliches Verhalten bei allen am Gesundheitssystem Beteiligten zu benennen und auf eine Änderung - sei es des öffentlichen Bewusstseins, sei es der Gesetze - zu dringen. Es geht ihr explizit nicht darum, Einzelfälle zu beschreiben und zu verfolgen. Das ist Aufgabe anderer Institutionen.
In einem ersten Schritt wird die Arbeitsgruppe „Gesundheitswesen – TI - Austrian Chapter“ auf Basis von Expertenbefragungen einen Katalog von Transparenzmängeln erstellen und mögliche Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption vorstellen.